TBB Einweihungsfeier

Nach über zehn Jahren hat der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg neue Räumlichkeiten in der Oranienstr. in Berlin-Kreuzberg bezogen.

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Zu diesem Anlass fand am 06. Juni 2013 eine Einweihungsfeier statt an der viele Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft, sowie  langjährige Wegbegleiter_innen und Mitglieder des TBB teilnahmen.

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In ihrer Begrüßungsrede zeichnete Ayşe Demir, Vorstandssprecherin des TBB, die "Wanderung" des TBB der letzten 20 Jahre nach.

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Sehr geehrtes Protokoll,
werte Gäste,
liebe Freundinnen und Freunde
 
ich heiße Sie / Euch im Namen des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg in unseren neuen Räumlichkeiten herzlich willkommen.
Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg – kurz TBB - ist ja bekanntlich ein Verband von Migranten. Und Migranten sind ja eigentlich Wanderer.
 
Nun wissen wir, dass der Homo Sapiens seit rund 120.000 Jahren wandert. Und irgendwann gab sich eine Gruppe von Homo Sapiens den Namen Türken oder wurde von den Fremden so genannt. Wann und wo die globale Migration des Homo Sapiens Turkus genau begonnen hat, ist archäologisch nicht bis ins letzte Detail recherchiert.
 
Trotzdem sind die Türkinnen und Türken sehr stolze Homo Sapiens und sind auf ihre Wanderungsgeschichte auch sehr stolz. Sie haben bei ihren Wanderungen ca. 20 Staaten gegründet. Antitürkische Homo Sapiens interpretieren dies als Beleg, dass die Türken ihre Staaten regelmäßig dem Untergang aussetzen. Diese Kontroverse würde jetzt den Rahmen meiner feierlichen Rede sprengen, ich will daher einen Migrantensprung von einigen Jahrhunderten vollziehen und 1961 mit der türkeistämmigen Migration nach Deutschland ansetzen.
 
Die Türkinnen und Türken – besser Türkeistämmigen, weil bekanntlich in der Türkei nicht nur Türken leben, sondern auch Kurden, Armenier und andere Volksgruppen - migrieren nun seit 50 Jahren nach Deutschland und wieder zurück. Irgendwann entschloss sich eine Untergruppe von Homo Sapiens Türkeistämmige in Deutschland einen überparteilichen Interessendachverband zu gründen. In den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde in Berlin der BTT – Türkischer Bund in Berlin gegründet. Wie die zuvor erwähnten Türkenstaaten, war die Macht der Gewohnheit übermächtig, und dieser Verband wurde nach kurzer Zeit von den stolzen Türkeistämmigen, weil sie noch nicht zu stolzen Migranten mutiert waren, in den Sand gesetzt und aufgelöst.
 
Aber erfolgreiche Mutationen setzen sich ja bekanntlich in der Evolution durch. Eine kleine Gruppe von Migrantenmutanten, inzwischen zu einer verbandsfähigen Migrantenmutation gereift, gründete 1991 den BETB – Bund der Einwander/innen aus der Türkei, der dann 1995 zum Türkischen Bund in Berlin-Brandenburg – TBB – unbenannt wurde. Dieser schwor den edlen Werten des Türkentums ab und verpflichtete sich zu universellen Minderheitenrechten.
 
Die Mutationen gingen weiter und machten Evolutionsgeschichte. Die Mutationsgeschichte von geduldeten Gastarbeitern zu anerkannten Ausländern, von Ausländern zu Integration verpflichteten ausländischen Mitbürgern, von ausländischen Mitbürgern zu de-facto Einwanderern und schließlich zu politischen anerkannten Zuwanderern ist von der Migrations- und Evolutionsliteratur ausreichend und differenziert untersucht. Die Mutation zu Menschen mit Migrationshintergrund ist ein schwebendes Verfahren und bereichert die Migrantenliteratur. Der TBB überreicht jedem Neumitglied als Willkommensgeschenk eine Literaturliste.
 
Also werte Gäste, liebe Freundinnen und Freunde…
Jetzt will ich Ihnen endlich das Geheimnis lüften und Ihnen verraten, warum wir hier sind: Jeder der vorhin genannten Evolutionsschritte war mit Räumlichkeiten verbunden. Als wir Gastarbeiter waren, wurden wir in der Langenscheidtstraße geduldet. Als wir zu Ausländern aufstiegen, wurden wir in der Weichselstraße anerkannt. Als wir am Tempelhofer Ufer waren, wurde mit ausländischen Mitbürgern und de-facto Einwanderern intensive Innenpolitik gemacht. In unseren neuen Räumlichkeiten hier mitten in Kreuzberg sind wir nun rebellische und stolze Zuwanderer, die die Mutation von einer diffamierenden Integrationsdebatte zu einer sozialgerechten Partizipationspolitik durchsetzen wollen.
Und hierbei hoffen wir, mit allen progressiven Mutanten zusammenzuarbeiten.
 
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit….
 
 
Ayse Demir


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